Brief von Aletta Jacobs an Schwimmer

Amsterdam, den 6. März 1904.

Meine Liebe Rosika,

Da hast du wirklich wieder in die verdammte Deutsche Buchstaben dein Artikel geschrieben. Das ist nicht zu lesen. Wenn es in lateinische Buchstaben geschrieben war, hatte ich heute all meine Arbeit liegen lassen um es zu übersetzen und zu probieren es in ein unsre Zeitschrifte publicirt zu bekommen. Aber diese dumme Buchstaben machen mich rasend. Warum soll man eine halbe Stunde suchen nach eine Syllable, wenn es Buchstaben gibt, welche durch die ganze Welt gebraucht und bekannt sind: sende es mir so bald wie möglich zurück.

Du must und sollst doch in Berlin kommen! Kannst Du nicht von einer Zeitung geschickt worden, welche Dich honorirt? Darf die Beamtinnen-Verein kein Frauen-Zeitung ausgeben? Das muss doch eine gute Sache sein. Obwohl, wir müssen unsre Frauenblätter auch alle Financiell stützen, und die Redacteure werden nicht bezahlt. Das ist auch in England der Fall. Die Frauenblättern rendiren nirgendwo. Ich kenne mir Deine Position sehr gut eindenken. Ich habe das ja auch alles durchgemacht und muss jetzt auch noch vieles durchmachen. Aber jetzt habe ich mein Mann, und tröste mich damit, dass wir am Ende zusammenhalten. Und alle Kämpferinnen für neue und bessere Ideen theilen dasselbe Loos. Aber Du sollst sehen, wie rasch das ändert, wenn nur einmal die Bund Ungarischer Frauen besteht und wirken geht. Dan muss doch die Beämtinne Verein aufgenommen werden, und da kann man Dir doch nicht ausschließen.

Was ist das unglücklich, dass Deine gute Mutter Krank ist. Hoffentlich ist es keine gefährliche Krankheit. Ich soll in Berlin im Kleine Congressabtheilung über Frauenstimmrecht sprechen, und weiter muss ich das Rapport von Holland ausbringen, da ich die erste Delegierte von Holland bin. Ich muss Dich in Berlin mit einige von meiner Holländischen Freunde im Bekanntschaft bringen.

Kannst du in Wien, München und andre Städte keine Vorlesungen über die Ungarischen Frauen halten, und damit deine Reise gut machen?

Ich habe jetzt noch vieles zu thun. Es thut mir leid so vieles unschönes von Malvi Fuchs zu hören, Sie schrieb mir gerade vorgestern, dass Sie etwa mitten Mai in Holland kommt. Ihr Schreiben macht auf mir den Eindruck das sie überspannt ist, überarbeitet vielleicht, aber es kann auch aus andre Gründe sein. Mein Mann liebt Dich, so wie Ich, und für uns Beide bist du ein junges Geschöpf, das viel leisten kann und viel leisten soll.

Du, und auch die Fräuleine Willhelm, Grossmann und [Vilma Glücklich] sind in freundlichen Andenken bei Gerritsen. Ueber die Beämtinne-Verein spricht er von die gute, liebe Kinder. Es freut ihm sehr die alle in Berlin zu treffen. Ich wollte das er zu Hause bleibe, so viele Frauen sind gefährlich, aber das Vergnügen lässt es sich nicht nehmen. Nun, lass dann kommen, was kommt.

Eine recht herzlicher Kuss von Deine Dich liebende

Aletta H. Jacobs

New York Public Library Manuscripts and Archives Division. Rosika Schwimmer Papers, Box 5.

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